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Siebfeinheiten – darauf kommt es an

Ihr werdet es bestimmt schon längst bemerkt haben – Siebe verfügen über unterschiedliche Siebfeinheiten. Das hat einen besonderen Grund: Die Vielfalt der Motive und der darauf zu bedruckenden Materialien. Generell gibt es Siebe für grobe Motive mit eher wenigen Details  wie z.b. große Schriftzüge oder Zahlen und dann eben auch Siebe für sehr feine Motive, z.b. aufgerasterte Fotos oder Motive mit sehr feinen Linien.

Die Feinheit eines Sieb wird in Beschreibungen wie “43er” oder “120er” Sieb beschrieben. Was bedeutet das?

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43er Gewebe: Grobes Gewebe bedeutet nicht zwangsweise keine Details – allerdings trotzdem nur begrenzt.

Ein 43er Siebrahmen ist mit einem Siebgewebe bespannt, dass 43 Fäden pro Zentimeter enthält. Dieses Sieb wird vor allem für grobe Motive eingesetzt da im Verhältnis zu feineren Sieben viel Farbe durch das Gewebe dringen kann. Also einen hohen Farbauftrag erzeugt. Besonders feine Details sind hiermit schwer umzusetzen.

Fast am anderen Ende des Spektrums sind die 120er Siebe. Dieses Sieb besteht aus einem Gewebe von 120 Fäden pro Zentimeter. Folglich kann viel weniger Farbe einfach so durch das Sieb gepresst werden. Dieses Sieb erlaubt deshalb auch sehr feine Details, weil die dickflüssige Farbe nur schwer durch das Sieb auf die Oberfläche kommt und weil aufgrund der Feinheit mehr Details von deinem Film auf dem Sieb landen. Bei dieser Siebfeinheit sollte dann allerdings auch eine spezielle Emulsion für feine Details eingesetzt werden, um das Potential voll auszuschöpfen. Übrigens sind die feinen Siebe in der Regel mit einem gelben Gewebe bespannt. Dieses Gewebe verhindert sehr vereinfacht gesagt, dass gerade feinste Details bei der Bestrahlung von dem Licht erhalten bleiben (Unterstrahlungseffekt)

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90er Gewebe: Feines Gewebe erkennt man an einem Sieb auch an seiner gelben Farbe.

Der Unterschied zwischen diesen Extremen ist auch ganz direkt spürbar: Bei einem sehr groben Motiv dringt die dickflüssige Farbe fast schon ohne großes Zutun durch das Sieb auf den Stoff, bei den feinen Sieben hingegen muss mit dem Rakel sehr nachgeholfen werden, da das feine Gewebe die dickflüssige Farbe quasi aufhält bevor sie auf die Oberfläche dringen kann.

Es wird leider noch etwas komplizierter. Neben der Anzahl der Fäden pro Zentimeter gibt es noch einen Wert zum Durchmesser der Fäden. Standardsiebe mit einer normalen Fadendicke werden üblicherweise z.b. mit einem T markiert.  Ein 120 T Sieb bezeichnet ein Gewebe mit 120 Fäden pro cm mit mitteldicken Fäden (Standarddicke). Daneben gibt es die Angaben der Fadendicke auch als Zahlen, in der Regel – und um es für alle Beteiligten und vor allem für Anfänger und Heimanwender nicht zu kompliziert zu machen –  wird hauptsächlich der Wert für die Siebfeinheit angegeben. Siebdruckrahmen mit ganz unterschiedlichen Siebfeinheiten bekommst Du bei Siebdruckland.de. Das ist so ziemlich der größte Handel für Siebdruckbedarf.

Hier noch einmal eine Übersicht zu den Gewebefeinheiten:

Gewebe von 32T – 48T (32-48 Fäden/cm)

Textildruck mit wasserbasierten Farben und Plastisolfarben. Druck auf Kartons möglich. Hoher Farbauftrag. Geeignet für größere Flächen. Bei feineren Motiven bitte Gewebe ab 43T wählen.

54T – 80T (54-80 Fäden/cm)
Plastisoldruck auf hellen Textilien. Feine Details möglich, Druck auf Karton und Papier für feinere Details auch mit unseren wässrigen Farben. Außerdem Druck auf glatten Oberflächen, wie Metall, Glas, PVC usw.

90T – 160T (90-160 Fäden/cm)
Rasterdruck, sehr feine Details, Papier, Glas, glatte Oberflächen, die nicht saugen.

Worauf solltest du nun achten?

Bei deinem Motiv musst du natürlich zuerst ansetzen und überlegen, welche Feinheit für dich in Frage kommen könnte. Eine Bleistifzeichnung kann am Computer in klare, dickere Linien umgewandelt werden, so dass nichts mehr an kleinen Kratzern oder Fehlern übrig bleibt. Dann würde für dich ein grobes 43er Sieb genügen. Willst du dein Motiv möglichst so wiedergeben, wie du es gezeichnet hast, dann gibt es verschiedene Optionen: Aufrastern und als Rasterbild wiedergeben? Linien doch etwas feiner lassen aber trotzdem alle Graustufen rausnehmen? Wohin soll die Reise gehen?

Hier zählen in erster Linie Erfahrungswerte und viel Ausprobieren. Ein Tipp: Fang mit einem groben Sieb an und schau, ob du das Motiv hierfür anpassen kannst. Feine Siebe haben leider gerade mit wasserbasierten Farben den Nachteil, schnell einzutrocknen. Das passiert bei einem groben Sieb nicht ganz so schnell.

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