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Ein Blick auf professionelle Drucke

Selbst Hand anlegen, dass heisst sich Methoden und Material bemächtigen und damit kreativ werden, produktiv werden und auch ein wenig unabhängig werden. Siebdruck verinnerlicht diese Vorgänge und Prinzipien sehr gut; kaum eine Drucktechnik lässt es zu, dass man sie so gut und relativ unkompliziert Zuhause umsetzen kann. Ein wenig sind wir immer den Einschränkungen unseres Daseins als “Amateur-Drucker” unterworfen, womit auf keinen Fall gesagt sein soll, dass wir zu marktfähigen Ergebnissen nicht in der Lage wären. Aber das Drucken in Eigendirektion gestaltet sich in der Umsetzung ein wenig anders, als in der professionellen Industrie. Professionell soll einerseits bedeuten, dass Drucke Branchen-typischen Ansprüchen gerecht werden müssen, und andererseits, dass auch die Methoden (obwohl vom Prinzip her im Grunde dieselben) einen technisierteren, industriellen Charakter haben, da ab einer Auflage von 100 – 150 das Nutzen einer größeren Siebdruckerei wirtschaftlich sinnvoll ist.

Beispiele für professionelle Siebdrucke finden sich häufig im Bereich der Kunstdrucke und, wie gesagt, bei Projekten mit Qualitätsanspruch und geringer Auflage (Kunstdrucke fallen meist genau in diese Kategorie). Der Unterschied zum Offsetdruck, welcher in der Druckindustrie erst bei einer Auflage von ca. 500 verwendet wird, wird beim genauen Betrachten vergleichbarer Ergebnisse beider Verfahren deutlich.
Siebdruck funktioniert durch das Prinzip der Durchdruck-Methode: eine Schicht Farbe (oder mehrere nacheinander) wird durch den Träger des Negativ-Motivs, das Sieb/die Emulsion, auf das Papier aufgedruckt. Nach einem solchen Druckvorgang sieht man förmlich, wie die “aufgedrückte” Farbe vom Papier hervor sticht, die Farbe glänzt in kleinen “Hügeln”, die auf der Druckoberfläche stehen und die Plastizität der Farbe hervorheben.

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Um eine gleichbleibend hohe Qualität durch alle Drucke eine Auflage hinweg zu sichern, wird bei industriellen Siebdrucken oft nicht mehr im eigentlichen Sinne von Hand gedruckt. In kleinen Werkstätten, die auch nur mit kleinen Stückzahlen arbeiten können, sieht das Drucken gar nicht mal viel anders aus, als die Siebdruck-Projekte in der eigenen Wohnung. Aber hier geht es oft auch um spezielle Arbeiten, wie Serigrafien, also Kunstdrucke, die für kleine Auflagen in Auftrag gegeben werden, aber dennoch mit Sorgfalt und Präzision ausgeführt werden müssen.

 

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Beispiel: Ein industriell hergestellter Siebdruck mit einer Auflage von 500 Stück

 

Soll das Ganze in größerem Maßstab stattfinden, dann kommen technisierte Varianten der bekannten Arbeitsschritte ins Spiel, wie zum Beispiel die Verwendung einer Verankerung des Rakels in einer Führungsschiene, in welcher dann das Rakel mit wesentlich mehr Kontrolle über das Sieb geführt werden kann. Viel Erfahrung und ständiges Drucken auf klassische Art und Weise machen es auch möglich, dieselbe Genauigkeit und Kontrolle beim Rakeln von bloßer Hand zu erzielen, aber solche technischen Hilfsmittel garantieren, dass ein angepeiltes Niveau viele Male hintereinander wiederholt werden kann, ohne dass viel (am besten gar kein) Abfall bzw. Fehldrucke dabei entstehen. Besonders gut beim oberen Beispiel zu sehen ist ein weiteres Qualitätsmerkmal der professionellen Druckart. Das Papier, und somit der Druck, ist wetterbeständig, kann (und wurde auch) also im Freien plakatiert werden, was an der leicht reflektierenden Oberfläche des Drucks zu erkennen ist.

P.S.: Das Druck-Beispiel stammt von Matthias Wenberg, Grafikdesigner aus Berlin, der das Plakat für das Bezirksamt Neukölln entworfen hat und mit einer Auflage von 500 Stück per Siebdruck reproduziert hat.

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