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Adobe Photoshop für Siebdruckfilme

Vektordateien und Motive lassen sich meist direkt aus Adobe Illustrator als PDF exportieren und im Anschluss per Inkjet oder Laserdrucker auf die entsprechenden Belichtungsfilme drucken. Adobe liefert uns mit Illustrator aber nicht nur ein nützliches Werkzeug für das Arbeiten im Vektor-Bereich sondern mit Photoshop auch ein Programm mit dem wir uns so gut wie jede Form von Bildmaterial für den Siebdruck zugänglich machen können.

God damn gradients!

Worin liegen die Grenzen der Siebdrucktechnik? Ganz klar in der Tatsache, dass Farbverläufe, so genannte Gradients, nicht tatsächlich abbildbar sind. Farbverlauf meint im grafischen Sinne das fließende Abnehmen von Farbqualität bzw. das allmähliche  Verweisslichen oder Verschwärzen einer farbigen Fläche, oder das fließende Übergehen von einer Farbe in eine andere. Siebdrucken ist ein Durchdruckverfahren, ein Verlauf wie gerade beschrieben würde ein kontrolliertes Drucken von unterschiedlichen Farbmengen in einen einzelnen Rakel-Zug verlangen; was nicht möglich ist. Siebdruck kann Farben lediglich in einer Art binären Form an das Druckmedium abgeben: Farbe (deckend) oder keine Farbe (nicht deckend – das Medium bleibt im unbedruckten Originalzustand). Da wir aber nicht bei Stencils und Vektorgrafiken bleiben wollen, muss hier Abhilfe geschaffen werden.

Die Rasterung von Bildmaterial

Dazu wird Bildmaterial, dass Verläufe enthält, durch ein Halbton-Raster aufgelöst. Es wird in viele, unterschiedlich große Punktflächen zersetzt, welche durch ihren Größenunterschied die wahrgenommene Dichte der gedruckten Fläche beeinflussen. Dichte von Farbe bzw. von Pigmenten (aus denen Farbe besteht und an welchen das Licht gebrochen wird, über das wir die Farbe dann sehen) ist letztendlich für das Erscheinen von Farbverläufen verantwortlich. Rastern wird unsere Bilder, dann werden alle enthaltenen Verläufe also in unterschiedlich große und somit unterschiedlich dichte Punkte zerlegt, die sich, wenn wir sie gemeinsam (dem entsprechend mit genug Distanz) wahrnehmen, zum ursprünglichen Bild zusammensetzen. Alle einzelnen Punkte haben dabei aber dieselbe Farbe, sind also mit einem Mal per Sieb druckbar.

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All diese Zugänglichkeit von Bildern ermöglicht uns Adobe Photoshop. Denn Photoshop lässt uns gezielt ein Raster festlegen, nach welchem unser Material in Halbtöne zerlegt werden soll. Sogar die Ausgangsform des Rasters kann dabei bestimmt werden, das heisst die Form, in welcher die Bildbereiche strukturiert werden. Im Normalfall verwenden wir hierfür Ellipsen, sodass unser Bild am Ende in viele kreisförmige Pixelgruppen eingeteilt ist.

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Um diese Transformation eures Bildes zu erzielen, reduziert ihr den Farbmodus der Datei in Photoshop auf Schwarz-Weiß und wechselt anschließend in den Bitmap-Modus. Der Wechsel zur Bitmap-Darstellung meint nämlich die Rasterung in Halbtöne. Nun kann eingestellt werden, mit welcher Detailgenauigkeit die Rasterung durchgeführt werden soll und von welcher Grundform ausgegangen werden soll.

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Seit ihr mit dem Ergebnis zufrieden, könnt ihr die Datei zum Bedrucken eures Belichtungsfilm als PDF exportieren und seit mit der Vorbereitung für einen erfolgreichen Siebdruck fertig.

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P.S.: “Zufrieden” bedeutet an dieser Stelle, dass euer Motiv nicht zu grob gerastert ist, aber auch nicht zu fein, um für die Belichtung geeignet zu sein. Bei einem zu groben Raster geht die bildhafte Wirkung bei der Betrachtung verloren, da die einzelnen Rasterpunkte erkennbar sind, zoomt also ab und zu aus der Datei heraus, um Perspektive dafür zu gewinnen, wie das Motiv von Weitem aussieht.

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